Poolgeplauder

Natürlich, die heißen Quellen von Esalen sind schon für sich selbst grandios, die Becken kleben an den Klippen über dem Pazifik wie Schwalbennester, aus den Duschen erkennt man die Fontänen der vorbeiziehenden Wale und das Wellenrauschen beruhigt im Zusammenspiel mit dem heißen Wasser selbst größte Aufregung.

Was die Quellen aber noch viel wertvoller macht, sind die Begegnungen und Gespräche mit den anderen Gästen. Zumeist handelt es sich um Amerikaner, allerdings solche die weit davon entfernt sind Durchschnittsamerikaner genannt zu werden. Der weite Abstand zur US Norm ist schon daran erkennbar, dass Badekleidung optional ist, was bedeutet sie ist nicht vorhanden. Das funktioniert im Rest der Vereinigten Staaten noch nicht mal für Einjährige im eigenen Garten.

Was daraus entsteht: Eine Mischung aus amerikanischer Offenheit zum Smalltalk gepaart mit überraschenden Inhalten. Das Gespräch in der sprichwörtlichen Badewanne beginnt ganz nach dem üblichen Ritual: „Ich bin Mark! Wie heißt Du? Woher kommst Du“. „Aus Köln“ antworte ich wahrheits- und ritualgemäß, doch dann folgt die große Überraschung, „Oh aus Köln, das ist doch die Stadt wo die ganzen Bären herkommen!“.

Mein Gehirn schaltet von Smalltalk zu voller Aufmerksamkeit. Da muss er jetzt was verwechseln, „Die Stadt mit der großen Kirche“ wäre normal, auch „Das liegt doch ganz im Norden“ habe ich schon oft gehört. Aber Bären aus Köln? Mark sieht das ich irritiert bin und beeilt sich zu erklären: „Bären nennen wir Schwulen große Männer die überall viele Haare besitzen, davon habe ich am Christopher Street Day in Köln ganz viele gesehen“. Schön dass ich auch aus der Ferne noch etwas Neues über meine Heimatstadt lernen kann.

Nun mag man ja darüber streiten wie wichtig es für den Nichtschwulen ist, die Nomenklatur der schwulen Männertypen zu verstehen, aber die Badepartner liefern auch Handfestes. Neue Geschäftsideen zum Beispiel. Nachdem ich mit Livian die üblichen Eröffnungsfloskeln gemeistert habe, erklärt sie ihre neue Strategie als Beraterin: Seminare zum Thema Stressmanagement für Rentner. Die haben wohl alles was sie braucht: Zeit, Geld und zu meiner großen Überraschung auch reichlich Stress. Das Geschäft läuft blendend.

Oder doch lieber wie John eine Kariere als Biobauer? Das ist natürlich ein alter Hut, nur von Biogemüse zu leben ist aber sehr schwierig. Zum Glück hat seine Heimat Colorado gerade als erster US Bundesstaat Marihuana legalisiert und der Bedarf nach gutem Hanf aus biologischem Anbau steigt schnell. Die Konkurrenz aber auch, inzwischen sind innovative Endprodukte gefragt. Sein aktueller Verkaufsschlager: statt der guten alten Kekse, gibt es angereicherte Gummibärchen, selbstverständlich mit Biosüßholz und natürlichen Farbstoffen. Ich habe ihm fest zugesagt bei meiner Rückkehr nach Deutschland mit einem Pröbchen bei Haribo anzuklopfen.

(Bilder gibt es auf http://www.esalen.org)

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