Fußballwildnis

„Bitte nicht auf eine Klapperschlange treten, die stehen unter Naturschutz“, erklärt uns die Rangerin im Sequoia Nationalpark. Diese Regel hätte ich auch ohne besondere Aufforderung befolgt, wenn auch nicht unbedingt zum Schutz der armen Schlangen. Aber das ist die Philosophie der Nationalparks in den USA, die Ranger sind da um die Natur zu schützen, die Menschen kommen alleine zurecht.

Das macht ihn aus den Reiz einer Wandertour in der Sierra Nevada, elf Tage Wildnis, abgesehen von dem Pfad auf dem wir gehen und einem gelegentlichen Wegweiser existiert nur Natur. Zu Essen gibt es ausschließlich das, was wir mitgebracht haben, ein lange überlegter Kompromiss aus möglichst vielen Kalorien und wenigen Kilos.

Kontakt zur Außenwelt gibt es keinen, weder Internet noch Handy funktionieren. Normalerweise ist das ja gerade ein Teil der Erholung, nicht aber wenn gerade eine Fußball-WM stattfindet und Deutschland gegen die USA spielt.

In den ersten drei Tagen nach dem Spiel kann keiner das Ergebnis wissen, denn wir sind mindestens drei Tagesmärsche von der Zivilisation entfernt. Danach aber sollten wir Menschen begegnen, die Nachrichten im Gepäck haben.

Den richtigen Tag auszurechnen war kein Problem, jetzt mussten wir nur noch jemandem begegnen. Um die Mittagszeit war es soweit, ein einzelner Wanderer kreuzt unseren Weg und ist „erst“ seit drei Tagen unterwegs, hoffnungsfroh frage ich nach dem Ergebnis des Fußballspiels. „Ist das ein wichtiges Turnier von dem sie reden?“ so lautet seine ernüchternde Gegenfrage. Da muss ich wohl jemanden anderen befragen.

Alleine, sie sind selten die Wanderer in der Sierra. Erst am nächsten Morgen treffen wir wieder welche, diesmal eine Gruppe von Studenten, die müssten doch informiert sein. Wieder stelle ich meine Frage, und mir wird freudig beschieden: „Die USA hat gegen Ghana gewonnen“. Ein Ergebnis vom ersten Spieltag, die Jungs sind schon vor uns in die Wildnis aufgebrochen. Anstatt Neuigkeiten zu erhalten, verteile ich welche.

Am dritten Tag dann endlich der Durchbruch im dritten Versuch. Die Wanderer die uns begegnen wissen: Deutschland hat gegen die USA gewonnen und beide Mannschaften sind für das Achtelfinale qualifiziert.

Inzwischen hatte das natürlich auch schon stattgefunden, aber ein Ergebnis wird es für mich frühestens in drei Tagen geben. Bis dahin genieße ich die Wildnis der Sierra und konzentriere mich darauf, nicht auf Klapperschlangen zu treten.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Fußballwildnis

  1. Hallo ihr Lieben, falls ihr das lesen könnt: Deutschland hat es jetzt ins Halbfinale geschafft und die USA sind leider schon draußen!
    Ansonsten wünsche ich euch weiterhin viele schöne Erlebnisse!
    Ingmar, wir haben ganz fest an dich gedacht an deinem Geburtstag, ich hoffe du konntest es spüren 😉
    Alles Liebe wünscht euch Heike

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s