Wahlwerbung

Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es sie: Dinge die es einfach nicht gibt. Dazu gehören Wahlkandidaten für wichtige Ämter, die nicht einer gewissen Norm entsprechen.  Strahlend weiße und gerade Zähne; eine, zumindest in der Öffentlichkeit funktionierende, heterosexuelle Beziehung und eine perfekte, normierte Frisur; nur weißgewaschen gelangen Politiker in Amerika auf ein Wahlplakat. Allein aus diesem Grund ist Obama als erster Schwarzer Präsident geworden, der konnte sich von den Weißgewaschenen noch abheben.

In unserem aufgeklärten Land gelten solche Regeln freilich nicht, doch mit Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes kann ich mich des Gedankens einfach nicht erwehren, dass wir vielleicht noch einmal drüber nachdenken sollten! Dabei hätte ich mitnichten etwas dagegen, wenn die Konterfeis der Kandidaten auf unseren Plakaten die Bandbreite der Gesellschaft reflektieren würden, aber unseren Kandidaten geht es mit ihrem Namen so, wie dem sprichwörtlichen Hund und seinem Herrchen.  Genau wie diese sich mehr und mehr gleichen, so gleicht das Aussehen unserer potentiellen Volksvertreter mehr und mehr ihrem Namen.

Auch das wäre ja noch in Ordnung, wenn, ja wenn da nicht diese Namen wären. In meinem Bezirk habe ich die Wahl zwischen Katharina Dröge, Heribert Hirte und Gisela Manderla. Alle drei sehen sie hundertprozentig so aus wie sie heißen und hängen obendrein in Farbdruck von jedem Laternenmast; plötzlich scheint mir der Prozentsatz der Nichtwähler gar nicht mehr so hoch.

Da wir aber in Deutschland sind,  muss es sie einfach geben, die logische Erklärung geben für die optische Anpassung an den Namen. Mein erster Gedanke kreist um die immer schlechter werdende Schulbildung und die mangelnde Fähigkeit der Jungwähler auf einem Wahlschein, der erstens in analoger Papierform vorliegt und zweitens ausschließlich aus Text besteht, den richtigen Kandidaten zu finden. Anders gesagt, die Ähnlichkeit als primitives aber wirksames Hilfsmittel für die Generation Facebook. Mit der Intention hätte ich allerdings dann eher jemanden mit dem Namen Sabine Sonnenschein zur Kandidatin gekürt.

Doch dann wird mir der wahre Grund schlagartig klar: Die Optik und der Name sind ein gemeinsamer Spiegel des jeweiligen Parteiprogramms. Inzwischen haben selbst die Wahlstrategen erkannt, dass ihre programmatischen Texte bestenfalls noch vom politischen Gegner gelesen werden. Aus dieser Erkenntnis muss sie geboren sein, die Idee das Programm in einen Namen mit einem entsprechenden Gesicht umzusetzen.

Heribert Hirte steht für die wertekonservative CDU: „Wählt mich und ich werde der dumpfen Herde des Wahlvolks regelmäßig das Fell scheren“. Katharina Dröge repräsentiert die modernen Grünen, die alles tun werden, nur nicht mehr mit neuen und frischen Ideen überraschen und Gisela Manderla verkörpert die SPD, die schon so lange nicht mehr weiß wofür sie steht, dass sie jetzt einmal die Esoterik erprobt. Oder kandidiert sie doch für die CDU und ich habe nur Vorurteile? Allein die FDP unterscheidet sich von den anderen Parteien und bildet keinerlei Gesicht ab, was nur den Schluss zulässt, dass die FDP-Strategen in ihrem Programm einfach gar keine klare Aussage gefunden haben.

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