Wie Amerika wieder groß wird: Donald Trump?

Der Wahlkampf von Donald Trump lebt von der schweigenden Mehrheit. Damit genau das nicht funktioniert, werde auch ich mich vom Schweigen trennen und ausnahmsweise in diesem Blog politisch. Warum stammen nahezu alle amerikanischen Präsidenten aus den Familien Kennedy, Bush oder Clinton? Selbstverständlich gibt es auf diese Frage keine vernünftige Antwort. Aber es existiert eine logische Konsequenz und die lautet: Das sollte mal einer ändern, oder es zumindest versuchen. Aber warum in aller Welt ausgerechnet Donald Trump?
Ich verstehe ja, dass eine Bewerbung ein gewisses Eigenkapital erfordert, aber dennoch sollte es unter vierhundert Millionen Amerikanern doch eine andere Wahl geben? Gut, die Randbedingung in den USA geboren zu sein reduziert das Potential. Aber selbst wenn wir Arnold Schwarzenegger und die Immigranten der ersten Generation abziehen, bleiben noch eine Menge Amerikaner übrig. Da aber entgegen aller Wahrscheinlichkeit ein Herr Trump kandidiert und dabei auch noch entgegen aller Logik in den Vorwahlen echte Wählerstimmen erhält, komme auch ich nicht daran vorbei. Ich muss ihn betrachten, oder genauer gesagt die Website seiner Kampagne, auf den Anblick der Person kann ich gut verzichten und dabei bin ich bei Frisuren keineswegs empfindlich.
Nachdem ich bestätige, kein Roboter zu sein, darf ich auch schon rein, in die wundersame Welt des Kandidaten. Im Wesentlichen besteht der Auftritt aus drei Anliegen: Unterstützer zu werben, Spenden zu sammeln und Werbeartikel verkaufen. Alles drei ist bei mir vergebliche Liebesmühe.
Eine einzelner Link auf der Website ist aber auch dem politischen Inhalt, der Mission des Kandidaten, gewidmet und breitet seine Positionen aus. Sonderlich breit ist das Spektrum allerdings nicht, dafür geht es aber auch nicht tief. Ganze fünf Kernaussagen in kleine Kisten verpackt genügen, um die Zukunft der USA so rosarot zu färben, wie sie zuletzt Janis Joplin 1969 auf einer Wiese in Woodstock erschien. Früher in der Schule nannten wir so etwas den „Mut zur Lücke“; das kann funktionieren, muss es aber nicht.
Die größte der Kisten beschäftigt sich mit dem zweiten Anhang zur Verfassung, dem „Grundrecht“ Waffen zu tragen. Ein strategisch durchaus sinnvoller Plan, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Liebe zur Waffe in den USA eine ganz eigene ist. Für uns so unbegreiflich wie dem Japaner die deutsche Vorliebe für Schweinshaxe mit Sauerkraut. Allerdings – bei allem Respekt vor den gesundheitsschädigenden Folgen von Schweinefleisch – eine Liebe, die deutlich gefährlicher ist.
Selbst die Amerikaner, die heute noch gefühlt zwischen Lederstrumpf und rauchenden Colts gen Westen ziehen, finden hier noch die ein oder andere Überraschung. Der Staat möge doch Führerscheine regulieren, aber nicht das verdeckte Tragen von Waffen zum Beispiel.
Die nächste Überraschung erlebe ich in der Kiste zu Gesundheitsreform. Herr Trump schlägt etwas vor, was sich nur als Obama-Care auf Drogen bezeichnen lässt. Kostenlose Krankenversicherung für alle, mit freier Arztwahl und das nicht nur für körperliche, sondern auch für seelische Gebrechen … einziger Schönheitsfehler: Das Ganze soll nur für Kriegsveteranen gelten.
Danach ist dann aber auch Schluss mit Überraschungen, die drei letzten Kisten sind vorhersagbar: Donalds Verhandlungsstärke wird die Chinesen in die Schranken weisen und ihre Fabriken mitsamt Arbeitsplätzen wieder in die Staaten führen. Die Steuerklärungen werden demnächst auf einen Bierdeckel passen, wobei natürlich ein jeder weniger bezahlen muss. Schließlich wird das perfekte Amerika durch eine undurchlässige Mauer entlang der Grenze zu Mexiko abgerundet.
Diese Mauer sollen die Mexikaner übrigens selbst bezahlen, ein Gedanke, der gar nicht so abwegig ist, aus Eigenschutz. Sobald die wohlversorgten Veteranen mit halbautomatischen Waffen in Horden durch Texas ziehen, wird die Mauer für Mexiko quasi unvermeidlich.
Der Teil in dem alle weniger Steuern bezahlen am Ende aber mehr Einnahmen entstehen ist etwas nebulös. Der angegliederte Onlineshop liefert aber einen Hinweis, wie es funktionieren könnte. Dort ist einer der meistverkauften Artikel das „Team Trump“-Paket, eine bunte Sammlung von Ansteckern, T-Shirts und Mützen die es erlauben für Trump zu trompeten. Für zwei Personen kostet der Spaß achtzig Dollar, für sechs Personen dreihundertfünfunddreißig, mehr als viermal so viel. So rechnet ein echter Geschäftsmann.
Also bleibt am Ende nur zu hoffen, dass die Legende doch stimmt, nach der die USA das demokratischste Land der Erde ist. So demokratisch, das selbst ein Donald Trump kandidieren kann. Aber eben auch nur das.
(Dieser Artikel darf von allen Parteien in den USA unentgeltlich zu Wahlkampfzwecken verwendet werden)

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3 Gedanken zu „Wie Amerika wieder groß wird: Donald Trump?

  1. Ich verbringe etwa die Hälfte des Jahres in Florida, in einer sehr konservativen Gegend. Die meisten dort sind für Trump. Und mir stäruben sich die Haare.

    Er wird für gut befunden, weil er „anders“ ist. Anders als was? Vor allem als Mister Obama, der von allen offiziell als „Pussy“ bezeichnet wird. Wachlappen oder so soll das heißen.

    Die amerikanischen Wahlkampagnen unterscheidet sich in einigen Dingen von den deutschen. Es werden Personen gwählt, nicht Konzepte. In den USA hätte eine Merkel keine Chance gehabt. Und die Kampagnen, beziehen sich, wie Du vermutlich auch gesehen hast, darauf, dass der andere – wer immer das auch ist – als schlechter dargestellt wird. Da muss man keine als Politiker kein klares Konzept haben, es reicht, wenn man den anderen möglichst schlechtmachen kann.

    Auf der einen Seite macht der Erfolg von Mister Trump durchaus Sinn – er ist ein wunderbarer poltischer Entertainer. In Deutschland sind mir die Wahlkampf-Debatten viel zu langweilig. In den USA sitze ich gebannt vor der Kiste. Die Möchte-Gern-Präsidenten gehen sich da fast buchstäblich an die Kehle. Sehr unterhaltsam. Und wenn es um Unterhaltsamkeit geht, da ist Mister Trump wirlich einer der besten: Er äußert grundsätzlich nur Provokatives und schafft es damit, vor allen anderen Kandidaten immer wieder Schlagzeilen zu machen, ohne dass er dafür auch nur einen Pfennig ausgibt. Ob es um die von Dir beschriebene mexikanerdichte Mauer geht oder darum, ob eine Journalisten gerade ihre Tage hat (kein Witz), Mister Trump haut drauf, dass die Fetzen fliegen. Und wenn er sich gerade mal nicht provokativ äußert, glänzt er mit aufsehenerregender Dummheit, die möglicherweise ebenso gefakt ist wie der Rest seiner Persönlichkeit.

    Ich bin neugierig, wie es ausgehen wird. Ich hoffe immer noch, dass die Mehrheit der Amerikaner schlau genug ist, nicht den zu wählen, der sich in den Medien in den Vordergrund stellt, sondern den, der wirklich ein Konzept hat und weiß, wie man es umsetzen könnte. Da allerdings muss ich den meisten Amis trotz meines Entsetzens doch Recht geben: Vielleicht ist Trump tatsächlich das kleinere Übel.

  2. „Drüben (in Amerika) ist nicht der Platz, Bescheidenheit und Zurückhaltung zu lernen…“
    Theodor Fontane

    Hey Igmar,
    war neugierig und habe mal vorbei geschaut – freu mich auf den nächsten Kursabend in Mühlheim 🙂
    Sarah

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