Ein Zeichen

Abergläubisch?

Bin ich selbstverständlich nicht! Zumindest glaube ich fest daran, es nicht zu sein. Wann immer Aszendent, Kristallkugel, Gespenster, Erscheinungen oder Wunder auftauchen, fühle ich diese Mischung aus Unsicherheit und Überlegenheit, die an guten Tagen eine tolerant lässige, und an schlechten eine diskriminierend gehässige Reaktion erzeugt.

Nun geht es mir damit aber ebenso, wie vielen Buddhisten mit dem Verzehr von Fleisch. Obwohl sie kein Tier schlachten wollen, essen sie trotzdem gerne Fleisch und gelegentlich stürzt ja eine Kuh über eine Felskante und muss dann auch zum Besten genutzt werden. Ebenso wenig führt mein Mangel an Aberglaube dazu, dass ich darauf verzichten muss, an Vorzeichen zu glauben. Die feine Unterscheidung zwischen Glauben und Aberglauben überlasse ich dann lieber den Experten.

Jedenfalls habe ich heute ein Zeichen bekommen, welches den Plan des Sabbatjahres endgültig besiegelt und zwar in der chemischen Reinigung in Köln-Longerich. Zugegeben das ist nicht der erste Platz an dem ich nach Erscheinungen suchen würde. Nun hatte ich auch keine Erscheinung, eher genau das Gegenteil, nämlich ein Verschwinden. Ein Anzug aus meinem Reinigungsauftrag scheint nachhaltig verschwunden zu sein. Alles andere hing schön glatt auf den üblichen Bügeln, aber den einen Anzug konnte der Geschäftsführer mir – auch nach intensivster Suche – nicht aushändigen.

Ich war durchaus bereit persönlich durch die Ständerreihen zu marschieren: es gab so viel, da müsste sich doch was finden lassen, was mir passt und gefällt. Das war dem Besitzer aber auch nicht recht und das Argument „Da hän ich dat Problem ja morje ens wigger!“ war auch nicht von der Hand zu weisen.

Also gab es statt des Anzugs, „Cash in de Täsch“. Unter normalen Umständen kein gutes Geschäft für mich, denn der eigentliche Wert eines Anzugs liegt nicht im Kaufpreis, sondern im Kaufprozess. Zeit und Menschenwürde muss ich in Ankleidekabinen investieren, zumal mein Körper zwar nicht außergewöhnlich ist, sich aber immer genau zwischen den Normen der Kleidungsindustrie befindet.

Aber, in diesem Fall war es ja ein Zeichen. Das Zeichen, dass in diesem Jahr Bargeld wichtiger ist als Nadelstreifen. Sofort habe ich die alte Erkenntnis meines Großvaters vor Augen, die er in schweren Kriegszeiten in Köln gewonnen hat: „Die Rheinländer tragen sogar ihr Bett in das Pfandleihhaus, wenn sie Karneval feiern wollen“! Was er noch nicht wusste, ist, dass sie auch ihren letzten Anzug versetzen um sich ein Sabbatjahr leisten zu können. Aber verstanden hätte er es.

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2 Gedanken zu „Ein Zeichen

  1. Findisch juut 🙂
    Während meines Urlaubs im Januar sind mir wiederholt kleine Geldsummen abhanden gekommen. Mal sind mir wohl 5 Dollar auf’m Klo aus der Tasche gefallen, mal 20 andere Dollar beim Zoll, als ich vergessen habe, den Inhalt meiner Hosentasche wieder einzupacken.
    Auch einem Bekannten von mir dort ist Geld abhanden gekommen, während ich da war.
    Das scheint mir auch ein Zeichen zu sein, ich bin nur noch nicht ganz dahinter gekommen, was es sein könnte.
    Wann geht das Sabbatjahr los?

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