Reisehunger Teil 3

Frankfurt-New York 1992

Zum ersten Mal darf Singapur Airlines beim Zwischenstopp in Frankfurt auf dem Weg nach Ney York auch in Deutschland Passagiere aufnehmen, einer davon bin ich. Offensichtlich war weder Zeit genug für die Airline, noch für ihr Personal sich an die Unsitten auf der Transatlantikroute zu gewöhnen, denn Großzügigkeit regiert den Sitzabstand, das Essen, die Getränke und das Lächeln der Stewardessen.

Mein erster Flug auf dieser Strecke und ich bin sehr glücklich mit dem, was mir geschieht; eine Speisekarte zum Auswählen, ein eifriger Getränkeservice, Kissen, Decke, Süßigkeiten. Alle Wünsche werden erfüllt, beinahe noch bevor Du sie überhaupt hattest, einzig Zigarren und ein Kaminfeuer fehlen, aber das gibt es wahrscheinlich nur vorne in der Business Class.

Nachdem ich dann schon alles hatte, was ein vernünftiger Mensch in einem Flugzeugstuhl konsumieren sollte, startete die ewig lächelnde Stewardess einen weiteren Angriff mit dem Getränkewagen:

„Do you want another drink, Sir”?

An der richtigen Nötigung mangelt es hier jedenfalls nicht, denke ich beiläufig als meine Augen auf eine Flasche Single Malt Whisky fallen, die um einige Jahre älter ist als ich selbst. Das entgeht auch der Stewardess nicht:

„May be a little of that Whisky, Sir”?

“If you insist, I surrender.”

Der unerwartete Erfolg lässt Ihr Lächeln noch breiter werden:

„Do you want juice or coke with it“?

Das war dann doch zu viel kulturelle Hürde. Vor über dreißig Jahren mühevoll auf einer entbehrungsreichen Insel gebrannt und jetzt mit Cola oder Saft abgelöscht?

„No, thanks, just on the rocks“, erwidere ich und als ich ihren fragenden Blick bemerke füge ich noch hinzu „with ice.“

Wenige Augenblicke später kehrt sie strahlend zurück, in der Hand ein 0.2 Liter Glas, stramm gefüllt mit Whisky und einem einsamen Eiswürfel.

Damit hatte ich dann für den Rest des Fluges die Hände voll.

Als kurz vor der Landung meine Stewardess alles einsammeln muss, sieht sie noch einen Rest im Glas:

„Didn’t you like it“, fragt sie besorgt.

„Doch, sehr sogar“, erwidere ich, „aber ich muss der Einwanderungsbehörde wenigstens noch meinen Namen sagen können“.

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