Männer und Yoga

„Wenn du hergekommen bist um das große weiße Licht zu sehen, dann bist du hier definitiv am falschen Ort“. Diese Aussage zumindest beruhigt mich in der ersten Yogastunde meines Lebens. Insbesondere, da sie auch noch von einem kalifornischen Yogalehrer kommt, dem Land in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung glaubt, Yoga sei in Kalifornien erfunden worden. Ansonsten ist Yoga für Männer ja nicht unbedingt ein niedrigschwelliges Angebot, der gleiche Lehrer erklärt mir am Ende der Stunde – ich bin so fertig, dass mir keine Flucht gelingen will – es gäbe überhaupt nur drei Gründe weshalb Männer zum Yoga kommen: Erstens, sie hatten eine schwerwiegende Verletzung, zweitens, eine Frau hat sie mit angeschleppt oder drittens, sie suchen eine Frau.

Für mich trifft der zweite Grund zu, auch wenn das an dieser Stelle jeder sagen würde, und im Grunde ist die Frage einfach falsch gestellt: das Männer nur in Notlagen zum Yoga streben, mag zwar in der Praxis richtig sein, es liegt aber nicht an mangelnder Kompatibilität. Nein, Yoga ist eng verbunden mit den wichtigen männlichen Kernkompetenzen, wie zum Beispiel – wo wir gerade von wichtigen Dingen reden – Fußball. Ebenso wie eine gute Yogastunde dauert ein Fußballspiel neunzig Minuten, und in beiden Fällen kannst du, wenn es gut läuft, die letzten Minuten glücklich und entspannt verbringen. In manchen Aspekten ist das Yoga sogar dem Fußball geradezu überlegen. Eine Yogalehrerin, in jeglicher Hinsicht eine waschechte Schweizerin, emotional extrovertiert wie die Schweizer nun mal sind, forderte uns auf am Ende der Bewegung einen lauten Schrei auszustoßen: „mindestens dreimal, aber wenn es pressiert dann auch viermal“. Wann konnte denn ein Fan des 1.FC Köln das letzte Mal in einem Spiel viermal jubeln? Ganz offensichtlich gibt es keinen Konflikt zwischen Männern und Yoga.

Bei unseren britischen Nachbarn hat sich diese Erkenntnis wohl schon länger durchgesetzt. Kaum hatte ich mich im Pub eines Londoner Vorortes als Yogi geoutet, wurde ich auch schon aufgefordert demnächst Dienstagsabend zu kommen, zum Yoga im Pub. Geschickt wurde hier die Hemmschwelle reduziert, keine Ausreden mehr, keiner muss seiner Frau oder Freundin erklären warum er jetzt zum Yoga geht, du gehst einfach wie jeden Abend in die Kneipe und fertig. Vielleicht mag jetzt der ein oder andere Wächter der Yogamoral aufschreien, die Lokalität als ungeeignet kritisieren. Jeder echte Yogi jedoch weiß, dass Yoga vielleicht den Weg zu Ausgeglichenheit, Achtsamkeit und Einklang führen kann, mit absoluter Sicherheit aber auch Durst macht. Daher scheint mir der Pub als Location, wenn nicht über alle Zweifel erhaben, so doch zweckmäßig zu sein.

Und das Allerbeste am Yoga ist die Toleranz die entsteht sobald es praktiziert wird. Sollte sich dann doch einmal eine Frau in das Kneipenyoga verirren, und, wider Erwarten, weder eine Verletzung haben, noch auf der Suche nach einem Typen sein, ja selbst wenn sie noch nicht einmal nach dem Yoga einen Pint Lager mittrinken würde, sie dürfte trotzdem vorbehaltslos mitmachen.

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2 Gedanken zu „Männer und Yoga

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