Vorstandssitzung

Manchmal wünsche ich mir den ganzen Vorstand auf Fortbildung schicken zu können. Natürlich nicht die übliche Erlebnisunterhaltung die gerade so in Mode ist. Diese „Finde Dein Ego“ Veranstaltungen für den Chef, ich habe Einige getroffen, die sich im eigenen Garten verlaufen, aber ihr Ego haben alle noch immer selbst gefunden.

Nach der Rückkehr wird dann voller Stolz verkündet, dass man jetzt ganz alleine eine Kuh melken kann. Das Ganze auch noch in einem Tonfall, als wäre es nur noch eine einfache administrative Aufgabe für seine Untergebenen, den noch verbleibenden Hunger auf der Welt auszumerzen. Seine Hände und der Euter der Kuh haben ja die Strategie jetzt vorgegeben.

Ich meine auch nicht diese Seminare in der Wildnis vom Typ „Alphatier nicht nur im Bürodschungel“. Mit stolzgeschwellter Brust berichtet der überlebende Teilnehmer: „Wir haben ohne Streichhölzer Feuer angemacht“ und es klingt als wäre der betreffende Kollege eigenhändig per Zeitreise zum Neandertaler geeilt, um diesem das Feuermachen beizubringen.

Nein, was mir vorschwebt sind echte Fortbildungen, solche in denen wirklich nützliche und bisher nicht vorhandene Fähigkeiten vermittelt werden. Am besten in einem realen Umfeld.

So könnte ich mir zum Beispiel unseren Personalvorstand sehr gut als Türvorsteher einer Vorortdisco vorstellen. Da wäre er dann einmal gezwungen Entscheidungen zu treffen und, noch viel ungewohnter, diese auch selbst zu vertreten. „Sie müssen verstehen, dass wir in dieser Lage am Samstagabend, auch dem ein oder anderen wirklich guten Tänzer, die Möglichkeit geben müssen an anderer Stelle das Niveau zu heben“; ganz großes Kino.

Den Finanzvorstand sehe ich bei der Suppenausgabe der Heilsarmee. Nicht weil er da vielleicht wirklich eine Chance hätte die Erbsen zu zählen, nein vielmehr weil ich doch sehr gespannt wäre wie er es schafft aus Effizienzgründen die Rationen jeden Tag um 10% zu verkleinern. „Sie wissen ja, dass die Zeiten schwierig sind und nur durch konsequentes Sparen kann es uns gemeinsam gelingen die sozialen Einrichtungen wieder profitabel zu betreiben. Wenn sich alle noch ein wenig anstrengen,…“.

Eine Stelle als Bergführer würde ich dem Technikvorstand vermitteln, direkte und zeitnahe Verantwortlichkeit für seine Leistungen und Entscheidungen sollten den Reiz des Neuen für ihn haben. „Ich weiß auch nicht wie wir von diesem Berg wieder runterkommen werden, aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 64% hält das Seil. Wenn wir mehr Entwicklungsbudget gehabt hätten, wären es sogar 75%.“

Gerade war ich dabei mir eine passende Tätigkeit für meine eigene Weiterentwicklung zu überlegen, als ich direkt angesprochen werde, was ich denn als Vorsitzender zu dem gerade Besprochenen denke? Wie aus der Pistole geschossen kommt meine Antwort, in gewohnt souveräner Manier: „Wir müssen die weitere Entwicklung aktiv, ja geradezu aggressiv beobachten um, falls möglich oder aber auch erforderlich, zeitnah zu reagieren“. Mit Entschuldigung meldet sich der Protokollführer: „Sind Sie jetzt für die Weihnachtsfeier oder dagegen?“

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